Das tägliche Leben im alten China: Was gewöhnliche Menschen den ganzen Tag taten

Der Morgen

Ein gewöhnlicher Mensch in der Tang-Dynastie (唐朝, Táng cháo) in Chang'an (长安, Cháng'ān), der größten Stadt der Welt mit einer Bevölkerung von etwa 1 Million, wachte bei Sonnenaufgang auf. Die Stadtpforten öffneten sich zum Klang eines Trommelschlags — 400 Schläge bei Sonnenaufgang. Bis die Pforten geöffnet wurden, war die Bewegung zwischen den 108 ummauerten Stadtbezirken verboten.

Das Frühstück war einfach: Reisbrei (粥, zhōu) mit eingelegtem Gemüse oder gedämpfte Brötchen (馒头, mántou) mit Tee. Der Teegenuss verbreitete sich während der Tang-Dynastie; davor war das gängige Getränk gekochtes Wasser oder getreidebasierte Getränke.

Die Arbeit

Die meisten Stadtbewohner waren Handwerker, Händler oder Arbeiter. Die Tang-Dynastie hatte spezialisierte Märkte — den Ostmarkt für Luxusgüter (Seide, Schmuck, importierte Gewürze) und den Westmarkt für Alltagsgegenstände (Nahrung, Töpferwaren, Werkzeuge).

Bauern — die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung — arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang während der Pflanzen- und Erntezeiten. Der landwirtschaftliche Kalender bestimmte alles: wann zu pflanzen, wann zu ernten, wann zu ruhen. Die 24 solar terms (二十四节气, èrshísì jiéqì) — ein noch heute verwendetes Kalendersystem — leiteten die landwirtschaftlichen Aktivitäten mit bemerkenswerter Präzision.

Das Essen

Die chinesische Küche war bereits zur Tang-Dynastie raffiniert:

Reis dominierte im Süden. Weizen (Nudeln, gedämpfte Brötchen, Teigtaschen) dominierte im Norden. Diese Nord-Süd-Division besteht bis heute.

Fleisch war für die meisten Menschen ein Luxus. Schweinefleisch war das häufigste Fleisch. Rindfleisch war selten — Ochsen waren zu wertvoll als Zugtiere, um gegessen zu werden. Hundefleisch war in einigen Regionen verbreitet (und bleibt heute umstritten).

Gewürze waren teure Importe. Schwarzer Pfeffer, Zimt und Nelken reisten über die Seidenstraße aus Südostasien. Nur wohlhabende Haushalte verwendeten sie regelmäßig.

Alkohol war allgegenwärtig. Reiswein (米酒, mǐjiǔ) und Getreidebrände wurden bei Mahlzeiten, Feiern und gesellschaftlichen Zusammenkünften konsumiert. Trunkenheit war sozial akzeptabel – sogar gefeiert, wie die Tradition der Trinkpoesie zeigt. Siehe auch Was gewöhnliche Menschen im alten China aßen (Es war nicht das, was du denkst).

Die Unterhaltung

Die alten Chinesen waren nicht nur mit Arbeit beschäftigt:

Geschichtenerzählen war die beliebteste Unterhaltung. Professionelle Geschichtenerzähler traten in Teehäusern und auf Märkten auf und erzählten Geschichten über Helden, Geister und historische Ereignisse.

Brettspiele — Go (围棋, wéiqí) und xiangqi (象棋, xiàngqí), Schach — wurden von allen sozialen Klassen gespielt. Go galt als eine der vier Künste des Gelehrten (neben Kalligrafie, Malerei und Musik).

Feste durchbrachen das Jahr mit Feierlichkeiten: das Laternenfest, das Drachenbootfest, das Mittherbstfest und Dutzende von lokalen Feierlichkeiten.

Badehäuser waren beliebte Treffpunkte, besonders während der Song-Dynastie (宋朝, Sòng cháo). Öffentliche Badehäuser boten heißes Wasser, Massagen und Raum für soziale Interaktionen.

Die Häuser

Gewöhnliche Häuser wurden um einen Innenhof (四合院, sìhéyuàn) gebaut — eine rechteckige Umrandung mit Räumen auf allen vier Seiten und einem offenen Raum in der Mitte. Der Innenhof sorgte für Licht, Belüftung...

Über den Autor

Geschichtsforscher \u2014 Historiker für chinesische Dynastiegeschichte.

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