Antike chinesische Erfindungen, die der Westen nicht würdigte

Jenseits der berühmten Vier

Jedes Schulkind lernt über Chinas vier große Erfindungen: Papier, Druck, Schießpulver und den Kompass. Dies sind wirklich technologieschaffende Errungenschaften, und Chinas Priorität bei deren Entwicklung ist gut dokumentiert.

Doch die Konzentration auf nur die berühmten Vier verdeckt ein viel größeres Bild. Chinesische technologische Innovation war breit gefächert, tiefgreifend und Jahrhunderte dem Rest der Welt in Bereichen voraus, die selten ins Rampenlicht gerückt werden.

Der Seismograph (132 n. Chr.)

Zhang Heng (张衡) baute während der Han-Dynastie den ersten Seismographen der Welt. Es handelte sich um ein bronzenes Gefäß mit acht Drachenköpfen, die jeweils eine bronzene Kugel hielten. Bei einem Erdbeben bewegte sich der Mechanismus im Inneren so, dass ein Drache seine Kugel in den Mund eines bronzenen Kröten unten fallen ließ, was die Richtung des Erdbebens anzeigte.

Im Jahr 138 n. Chr. erkannte das Gerät ein Erdbeben, das niemand in der Hauptstadt gespürt hatte. Die Beamten waren skeptisch, bis Tage später ein Bote ankam und bestätigte, dass ein Erdbeben Longxi, über 400 Kilometer entfernt, getroffen hatte.

Dies war siebzehn Jahrhunderte bevor der Westen vergleichbare Technologien entwickelte.

Der Hochofen (1. Jahrhundert v. Chr.)

Chinesische Metallurgen entwickelten während der Han-Dynastie den Hochofen und produzierten Gusseisen in industriellem Maßstab. Europa erreichte vergleichbare Eisenerzeugung erst im 14. Jahrhundert — eine Lücke von etwa 1.500 Jahren.

Die Implikationen waren enorm. Werkzeuge aus Gusseisen machten die chinesische Landwirtschaft produktiver. Gusseisenwaffen verschafften den chinesischen Armeen einen technologischen Vorteil. Und die organisatorische Infrastruktur, die erforderlich war, um Hochöfen zu betreiben — Brennstoffversorgungsketten, Arbeitsmanagement, Qualitätssicherung — förderte die Entwicklung früher industrieller Praktiken.

Das Dezimalsystem

Die Chinesen verwendeten schon zur Shang-Dynastie (ungefähr 1200 v. Chr.) ein Dezimalsystem mit Stellenwert. Dies ist nicht dasselbe wie das hindu-arabische Zahlensystem, das wir heute verwenden, aber das zugrunde liegende Konzept — dass die Position einer Ziffer ihren Wert bestimmt — war das gleiche.

Chinesische Mathematiker nutzten auch im 2. Jahrhundert v. Chr. negative Zahlen, ungefähr 1.500 Jahre bevor europäische Mathematiker dieses Konzept akzeptierten.

Warum die Kreditlücke?

Die Frage, warum chinesische Erfindungen in der westlichen Bildung unterbewertet sind, hat teilweise mit Eurozentrismus und teilweise mit der Natur der technologischen Diffusion zu tun. Technologien, die von China nach Europa reisten, kamen oft ohne Attribution an — sie wurden übernommen, angepasst und schließlich als lokale Innovationen beansprucht. Verwandte Lektüre: Die Seidenstraße: Die alte Verkehrsader, die Ost und West verband.

Joseph Needhams monumentales Werk Wissenschaft und Zivilisation in China (begonnen 1954 und immer noch in Veröffentlichung) hat mehr als jedes andere Werk getan, um Chinas technologische Beiträge zu dokumentieren. Doch der schiere Umfang des Projekts — über 27 Bände — deutet darauf hin, wie viel dokumentiert werden muss.

Das größere Bild

Der Punkt ist nicht, dass China alles zuerst erfunden hat. Der Punkt ist, dass Technologien…

Über den Autor

Geschichtsforscher \u2014 Historiker für chinesische Dynastiegeschichte.

Share:𝕏 TwitterFacebookLinkedInReddit